Embodiment, Interaktion im Alltag und Teilhabe
Im Jahr seiner Gründung 1989 war das Therapiezentrum Burgau einer der Pioniere der neurologischen Frührehabilitation. In zwanzig Jahren intensiver Arbeit, mit seinem innovativen Schulungszentrum und mit seinen bisherigen Fachkongressen hat es wichtige Beiträge zur Weiterentwicklung der Behandlung von Menschen mit schweren erworbenen Hirnschäden in der Frühphase nach einer Hirnverletzung geleistet, die über die Grenzen Bayerns und international Beachtung und Anerkennung fanden.
Unser erster Kongress „Wege von Anfang an“ fragte 1994 nach neuen Behandlungswegen, nach Methoden und Therapiekonzepten. Der zweite Kongress „Gefangen im eigenen Körper“ sammelte 1999 die Erfahrungen in der Frührehabilitation schwerster Schädigungen, die eine erworbene Hirnverletzung dem Menschen plötzlich zufügt.
Person-Umwelt-Teilhabe
Der diesjährige Kongress aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums unserer Klinik setzt diese gute Tradition fort. Zentrales Thema unter dem Motto "Spürbar mehr Leben" werden das Zusammenspiel und die Interaktionen zwischen Patient und Umwelt und ihre Bedeutung für die Partizipation (ICF) im Alltag sein. Die Rückkehr zur Teilhabe, zum Tätigsein und sozialen Miteinander steht für den Patienten im Mittelpunkt, der dabei als denkendes und fühlendes Individuum wahrgenommen und respektiert werden möchte.
Leitthema "embodiment"
Zur Bedeutung der Umwelt für das Gehirn gibt es neue und spannende Erkenntnisse sowohl aus den Neurowissenschaften selbst als auch aus anderen Wissenschaftsbereichen. Prof. Dr. Rolf Pfeifer, einer der weltweit führenden und anerkannten Köpfe auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz, stellt sein Konzept des „Embodiment“ vor. Seine Forschung am MIT in Boston und AI-Lab Zürich brachte ihn zu der Auffassung, dass der Körper eine notwendige Bedingung für Intelligenz ist. Intelligentes Verhalten entsteht in der Interaktion zwischen Körper und Umwelt, wobei Entwicklung in dynamischen Systemen „als Ganzes“ erfolgt.
Ausgehend von diesem Modell der „embodied intelligence“ sollen Lernen, Umwelt und Plastizität des Gehirns in weiteren Vorträgen erweitert und in der Diskussion mit bewährten Konzepten der Entwicklung und Rehabilitation im Alltag in Beziehung gesetzt werden. Prof. Dr. Thomas Fuchs (Heidelberg) vertieft in einer zweiten Key Lecture über das Gehirn als Beziehungsorgan den Ansatz des „Embodiement“.
Die Begründerinnen grundlegender Therapiekonzepte in der Frührehabilitation, Felicie Afolter (Affolter-Modellâ ) und Kay Coombes (F.O.T.T. â ) stellen die Essentials Ihrer Therapie vor, u.a. aus zwanzigjähriger enger Zusammenarbeit mit dem TZB.
Kongressorte "Roma Forum" und TZB Burgau
Eine professionelles Tagungsambiente im „Roma Forum, gute Gastronomie für das leibliche Wohl sowie ein täglicher „Marktplatz“ für die kommunikativen Bedürfnisse und natürlich ein Kongressfest am 2. Tag in traditionell lockerer Athmosphäre bieten den Rahmen für Begegnungen, Austausch und das Knüpfen neuer und festigen alter Kontakte.
Fallberichte und Workshops
Fallvorstellungen von Behandlungsverläufen in Burgau sowie Workshops des Burgauer Teams, zentriert um die wesentlichen Lebensbereiche nach ICF, vervollständigen das reichhaltige Kongressangebot.
Die Teilnehmer erwartet ein Blick über den Tellerrand der eigenen Tagesarbeit und des eigenen Fachgebietes: spannende und instruktive Vorträge, workshops und Diskussionen sowohl von renommierten Experten und Praktikern als auch von Fachleuten angrenzender Forschungsgebiete.
Abendveranstaltung in Augsburg
In einer öffentlichen Abendveranstaltung am ersten Tag in der Kongresshalle Augsburg geht es nicht um Krankheiten, sondern um Kranke, nicht um Diagnosen, sondern um Verstehen.
Betroffene kommen selbst zu Wort - in Lesungen aus Büchern, die sie als Patienten nach einer Hirnverletzung oder als Angehörige geschrieben haben. Geübte Sprecher tragen vor, begleitet von Künstlern, Liedern, Gedichten und Filmausschnitten (mit Konstantin Wecker, Axel Hacke, Heinz Hoenig, Ute Fiedler, RainervonVielen, Peter Lika ,Boris Baberkoff). Moderation Adelheid Arndt und Dieter Zimmer.
Erstmals wird die Literatur hirnverletzter Autoren in dieser Dichte an einem Abend vorgestellt- in Anwesenheit der Autoren, ehemaliger Patienten unserer Klinik, Angehörigen, Mitarbeiter, Kongressteilnehmer und der interessierten Öffentlichkeit.


